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Tuesday, May 09, 2006

Wissen 2.0 - User Experience Roundtable am 8.5.06

Beim gestrigen Hamburger User Experience Roundtable stellte Stephan Reimer unter dem Titel "Wissen 2.0" Tools und Ansätze zum Wissensmanagement in Unternehmen vor. Er fokussierte auf Wikis, Blogs und Content Management-Systeme (CMS). Wichtige Punkte:
  • Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Tools, die geeignet sind, das Wissensmanagement in Unternehmen zu unterstützen. Wikis werden häufig zu Dokumentationszwecken eingesetzt; Blogs haben stärker Tagebuchcharakter. Beide kann man als einfache Formen von CMS betrachten.
  • Wikis ermöglichen das kollaborative Erzeugen von Inhalten. Eine Qualitätssicherung findet meist automatisch statt dadurch, dass "jeder alles darf", d.h. Änderungen von allen Nutzern vorgenommen werden. So wird der Inhalt immer weiter optimiert, bis er den allgemeinen Konsens abbildet. Alle Änderungen werden protokolliert, so dass man u.U. wieder zu einem früheren Stand zurückkehren kann.
  • Wissensmanagement "passiert nicht einfach so", indem man ein Tool einführt. Die soziale / menschliche Kompontente ist mindestens ebenso wichtig (in der Arbeitspsychologie "soziotechnischer Systemansatz" genannt). Menschen nutzen Wissensmanagement-Tools, wenn sie selbst davon einen Vorteil haben. Beispiel: Der Experte, der genervt ist davon, immer wieder die gleichen Fragen gestellt zu bekommen, stellt seine Antworten in ein Wiki und verweist zukünftige Fragesteller darauf.
  • Die entsprechenden Tools müssen optimal für die Nutzer angepasst sein. Eine Teamassistentin, die nur genau eine Aufgabe in einem Wissensmanagement-Tool zu erledigen hat, sollte ein UI angeboten bekommen, das ihr nur diese Aufgabe ermöglicht - ihr das volle Administrations-UI vorzusetzen, wäre unglücklich. Ebenso wird es sinnvoll sein, den potenziellen Autoren ein UI zum Erfassen von Inhalten anzubieten, das dem ähnlich ist, was sie schon kennen (z.B. der FCK-Editor, dessen Toolbars an Word erinnern).
Stephan präsentierte ein Typo3-basiertes Wissensmanagement-Tool zur Designdokumentation und -kommunikation in einem größeren Redesign-Projekt. Dieses Tool wird zur Kommunikation für intern und extern genutzt, d.h. Partner-Agenturen erhalten Zugriff auf die Datenbasis.

Diese Lösungen sind per Definition lebendig. Der Nachteil liegt darin, dass sie nur online funktionieren. Hier könnte ein Tool wie Apache Forrest eine Brücke schlagen: Inhalte werden in Forrest erzeugt und gehalten, man kann sie aber geschlossen nach HTML oder auch nach PDF exportieren, um z.B. Partnern einen stabilen Informationsstand an die Hand zu geben.

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2 Kommentare:

  • 09 May, 2006 10:06 sagte Blogger mav

    Und wir setzen gerade das x. intranet auf, welches dann von oben verordnet benutzt werden soll. Ich bin gespannt, wie "sozial" das ist - dass die Leute nicht kapieren, dass man tools wirklich nur benutzt, wenn man einen nutzen davon hat - und zwar einen echten. Ich bin gespannt...

     
  • 09 May, 2006 10:19 sagte Blogger Michael Hatscher

    Damit sollte eigentlich jedes Implementationsprojekt beginnen - erheben, was sind die Business-Ziele, aber auch: wie kriegen wir die Nutzer dazu, die neuen Tools zu nutzen. Das Maß, zu dem Nutzer ein neues Tool akzeptieren, haben wir früher (bei einem anderen Unternehmen :-)) auch schon mal mittels "User Adoption Measurement" zu erheben versucht.

    Meine Erfahrung dabei ist: je größer die Beteiligung der späteren End-Nutzer an der Konzeption und Requirements-Definition des Tools ist, desto größer ist später dann auch die Akzeptanz. Außerdem kann man die Key User, die an der Definition beteiligt waren, wiederum als Botschafter für die Lösung ins Unternehmen schicken. Die End-Nutzer nicht zu beteiligen, heißt, sich zum einen von einer wertvollen Informationsquelle abzuschotten, zum anderen die Akzeptanz des ganzen Projekts und damit der Lösung zu gefährden. Ich habe leider schon eine Menge Multi-Millionen-Euro-Projekte gesehen, die nach der Implementation mangels Nutzung nach wenigen Monaten in der Versenkung verschwanden. Und dabei ist es so einfach, nicht in diese Falle zu tappen.

     

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